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Samstag, 19. November 2016

Eine Tanne im Schnee zeichnen



Für Dezember plane ich immer ganz gerne Unterrichtsprojekte, die etwas mit der Jahreszeit zu tun haben. Viele Schüler verschenken ihre Bilder dann an Weihnachten ihren Eltern oder Verwandten. In diesem Jahr möchte ich mit der Stufe 8 Weihnachtskarten zeichnen. Nun unterliegt das Zeichnen von Schnee aber seinen ganz eigenen Gesetzen, da er durch Freilassen von Flächen gestaltet werden muss. Das erfordert ein Umdenken, denn hier wird quasi mit Negativräumen gearbeitet. Damit es in diesem Jahr etwas einfacher wird, habe ich eine kleine Anleitung zusammengestellt. Besonders schön werden solche Bilder, wenn man sie auf getöntem Papier zeichnet und die hellsten Stellen des Schnees zum Schluss mit Weißkreide höht.











Montag, 20. Juni 2016

Ein Film-Porträt über den genialen Zeichner und Maler Adolph Menzel


Ich habe im Netz eine ganz wunderbare Dokumentation über den Zeichner und Maler Adolph Menzel (1815-1905) gefunden. Er zeichnete überall: Im Sitzen, im Gehen, im Stehen, reitend oder in der Kutsche. Stets trug er acht Skizzenbücher mit sich, die er in acht Taschen seines Mantels verstaute. 
Spannend ist auch, dass er nur 1,40 m  groß war. Das erklärt vielleicht, weshalb seine Bilder oft aus der Perspektive und mit der Augenhöhe eines Kindes gezeichnet und gemalt sind. Gelegentlich hat man sogar eine leichte Untersicht. Dadurch bekommen sie eine merkwürdige Intimität und Nähe. Es ist der Blick eines Mannes aus der Perspektive eines Kindes. Andere Szenen scheinen mit dem Blick aus einem Fenster oder von einem erhöhten Podest aus gestaltet zu sein.
Man erfährt viele weitere spannende Details aus seinem Leben. Beispielsweise zeichnete er mit links und malte mit der rechten Hand. In jedem Sommer ging er auf Zeichenreise, oft begleitet von seiner Schwester. Auch seine Ölgemälde und die lebendigen Ölskizzen werden ausführlich besprochen.

Sonntag, 12. Juni 2016

Porträts erhalten auf farbigem Papier mehr Ausdruckskraft

Ein schnelles Porträt mit Bleistift und weißem Acryl-Marker auf Canson-Mi-Teinte-Karton



Eine sehr männliche Frida in Pastell
Porträts zeichne ich immer auf getöntem Zeichenkarton. Damit hat man bereits eine Tonstufe angelegt und kann dann mit Bleistift, Kohle, Kreide oder Pastell hellere und dunklere Flächen und Linien setzen. Besonders schön sind dann die Höhungen mit Weiß.  Spitzlichter oder weiße Elemente lassen sich damit viel effektvoller setzen als auf weißem Papier. Auch wirkt das Gesicht und der Teint viel natürlicher, da selbst helle Haut nie weiß ist, sondern einen mittleren Tonwert besitzt, der durch die Papierfarbe gesetzt wird. Auch der Kontrast zum Hintergrund ist dann nicht so hart, wenn die Fläche um den Kopf und Oberkörper herum ungestaltet bleibt.
Was die Farben anbelangt, so greife ich gerne zu warmen Grautönen oder zu leicht bläulichen Papieren. Der Experimentierfreude sind hier aber keine Grenzen gesetzt. Die Mi-Teinte-Zeichenpapiere von Canson sind meine Favoriten. Mit 160g haben sie eine angenehme Festigkeit und sie besitzen zwei unterschiedlich strukturierte Oberflächen - eine rauere und eine fein gekörnte.
Auf welchem Papier zeichnet Ihr Porträts? Über Eure Erfahrungen würde ich mich freuen.

Samstag, 11. Juni 2016

Bleistift zeichnen


Ich bin heute zum Zeichnen ins Café gegangen, aber irgendwie hat mich dort nichts angesprochen. Ich habe dann einfach meinen Lieblingsbleistift zu Papier gebracht.

Kleine Kompositionsskizze am Morgen




Das Wetter war heute Morgen schön genug, um draußen zu zeichnen. Dieses Motiv schwebt mir die ganze Zeit schon vor. Habe kleine Eingriffe ins Erscheinungsbild vorgenommen, vor allem eine Mansarde, die meine Komposition stört, weggelassen. Mal sehen. Könnte meine nächste umfangreichere Zeichnung werden.

Samstag, 4. Juni 2016

Material: Tonwertskala selbst anfertigen


Um die Tonwerte meiner monochromen Motive zu bestimmen, nutze ich einen Tonwertfinder. Den gibt es unter der Bezeichnung "greyscale finder" zwar auch zu kaufen, aber man kann ihn sehr einfach selbst machen. Wenn man im Internet nach "grayscale" / "greyscale"-Bildern googelt, findet man zahlreiche Graustufen-Abbildungen.  Ganz links beginnt die Skala immer mit reinem Schwarz (100%), um in 10-Prozent-Aufhellungen ganz rechts bei reinem Weiß zu enden. Einfach ausdrucken, mit Karton verstärken und kleine Löcher in die Farbfelder stanzen, damit man den jeweiligen Tonwert isoliert bestimmen kann.

Wenn ich mit Bleistift zeichne, mache ich mir von meinen unterschiedlichen Bleistiften, die bei dem jeweiligen Motiv zum Einsatz kommen, auch eine Graustufenreihe, wie man auf dem Foto sehen kann. So bekomme ich ein Gefühl dafür, für welche Bildelemente ich welchen Stift in welcher Intensität einsetzen muss - und im Zweifelsfall kann ich über die Skala auch die richtige Helligkeitsstufe ermitteln. Das funktioniert natürlich auch mit Acryl- oder Ölfarben.

Dieses Vorgehen findet auch in der Fotografie Anwendung. Der großartige Anselm Adams hat das so genannte Zonensystem zu Beginn des letzten Jahrhunderts entwickelt, um die Schwarzweißfotografie zu optimieren. Man kann also auch "Zonensystem" googlen und findet ebenfalls sehr gute Skalen, die man beim Zeichnen einsetzen kann.

Freitag, 3. Juni 2016

Urban sketching ländlich: Fachwerk zeichnen


Ich habe eines meiner Lieblingshäuser in Büdingen fertig gestellt. Ich habe es im Format A3 mit Bleistift auf Zeichenkarton gezeichnet. Die Vorzeichnung erstelle ich mesit mit einem Fallminenstift in HB und lege dann Schicht für Schicht dunklere Grafitlagen darüber. Die weichste Mine, die hier Verwendung gefunden hat, ist B6. Den Schatten an der rechten Hauswand habe ich als Grafitstaub mit Pinsel aufgetragen, ebenso die Schatten auf dem Pflaster. 

Am 28. Mai hatte ich die Fotovorlage gepostet, um  auf die unterschiedlichen Tonwerte aufmerksam zu machen. Hier also zum Vergleich die Zeichung in HB ohne Schatten. Wenn einem die eigenen Zeichnungen langweilig vorkommen, dann liegt es oft daran, dass man die Tonwerte nicht korrekt gesetzt hat. Mehr dazu in besagtem Post.



Samstag, 28. Mai 2016

Beim Zeichnen auf die Tonwerte achten

Fachwerkhaus in Büdingen (Oberhessen)
Beide Kreise markieren denselben Tonwert:
Wenn man draußen zeichnet, ist es oft nicht so einfach, den richtigen Tonwert zu erkennen. Im Atelier ist es etwas einfacher, wenn man eine Fotovorlage wählt und diese in Schwarz-Weiß ausdruckt. Das Beispiel zeigt ein Fachwerkhaus. Die beiden roten Kreise markieren Stellen mit exakt demselben Tonwert (80%-Graustufe). Gerade, wenn man vor Ort zeichnet, sollte man sich also immer fragen: Habe ich die Schattenzonen auch dunkel genug angelegt? Meist ist der hellste Ton im Schattenbereich derselbe wie der dunkelste Ton in der Lichtzone.


In diesem Zusammenhang habe ich bei Caspar David Friedrich zwei Zeichnungen gefunden: die eine sehr hell mit Aquarell koloriert, die andere dunkler in Sepia. Leider besitze ich sie nur in Schwarz-Weiß, was in diesem Fall aber sehr gut unterstreicht, was ich meine: Die rechte Zeichnung umfasst viel mehr Graustufen und damit Kontraste und wird dadurch ausdrucksstärker.

Quelle der beiden Zeichnungen: Caspar David Friedrich: Das gesamte graphische Werk. Nachwort von Hans H. Hofstätter. München: 1974. S. 722-723.


Donnerstag, 26. Mai 2016

Architektur zeichnen



Vanessa Dippel: Marienkirche in Büdingen, Bleistift auf Zeichenkarton, 2016

Nachdem ich in der letzten Zeit vor allem draußen gezeichnet habe, entdecke ich gerade die Atelierarbeit wieder für mich. Es hat fast etwas Meditatives, sich Stück für Stück ein Motiv zu erarbeiten. Sorgfältige Schraffuren lösen den freien Strich der schnellen Skizze ab, Graustufen und kleinste Details werden penibel herausgearbeitet.   
 
Im Atelier: Tonwertskala und Schraffurmuster mit unterschiedlichen Härtegraden
Vor einigen Wochen habe ich mich mit einem befreundeten Künstler darüber unterhalten, dass langsam die Sehkraft etwas nachlässt (wir sind beide in den 40ern) und man in jüngeren Jahren detaillierter arbeiten konnte. Beim Zeichnen hege ich jetzt ständig den Verdacht, dass ich es mir noch einmal beweisen will und deshalb plötzlich so detailversessen bin. Hier und da musste ich bei der Marienkirche von Büdingen sogar eine Lupe zu Hilfe nehmen, damit die Striche korrekt sitzen.